Kirche


Kirchengebäude


(Text von Wikipedia)

766 wurde Dossenheim im Lorscher Codex erstmals urkundlich erwähnt. Bereits im Jahr 794 wird erstmals eine Kirche im Ort genannt. Das Recht zur Ernennung des Pfarrers und zur Einziehung des Kirchenzehnts war im 13. Jahrhundert wormisches Lehen der Herren von Schauenburg. Nach ihrem Aussterben verkauften die Erben die Rechte 1293 an das Wormser Domkapitel. Inhaber der Vogtei und damit kirchenbaupflichtig wurden die Herren von Handschuhsheim. Sie erbauten 1375 eine neue Kirche in Dossenheim. Im pfälzisch-mainzischen Krieg wurde die Kirche 1460 zerstört. Anschließend wurde sie mit Steinen der gleichzeitig geschleiften Schauenburg wiederaufgebaut. Im Wormser Synodale, einem Visitationsbericht der Pfarreien im Bistum Worms, wurde 1496 die St. Pankratius geweihte Kirche beschrieben.

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Haupteingang Evangelische Kirche


1556 führte Kurfürst Ottheinrich die Reformation in der Kurpfalz ein. Allerdings gab es lange Zeit Streit zwischen Kurmainz und der Kurpfalz über die Hoheit über Dossenheim. 1650 wurde der Streit im Bergsträßer Rezess beigelegt, danach durften die Katholiken die Kirche mitbenutzen. Sie feierten ihre Gottesdienste im Chor, die Reformierten im Langhaus. Die Simultannutzung hatte bis 1926 Bestand, bis die Katholiken die neue St.-Pankratius-Kirche erbauten. Auch für die Evangelischen allein war die alte Kirche aber durch die gewachsene Bevölkerung zu klein geworden. Deswegen wurde zwischen 1931 und 1932 ein neues Langhaus angebaut. 1974 und 2000 wurde der Innenraum renoviert und umgestaltet.

Die Kirche steht im Osten von Dossenheim. Ursprünglich war sie geostet, das mit einem Walmdach gedeckte 1932 angebaute Langhaus erstreckt sich nach Norden. Der Turm ist an der Südseite platziert. Bis 1807 befand sich bei der Kirche der Dossenheimer Friedhof, die Kirchhofmauer hat sich zum Teil erhalten.

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Kirchenrückseite


Im Erdgeschoss des Turms wurden Werksteine mit Fischgrätmuster aus dem 11. Jahrhundert vermauert. Im Turm erinnert eine Inschrift in gotischer Majuskel an die Grundsteinlegung durch die Ritter von Handschuhsheim am Pankratiustag 1375. Der alte Chor besitzt einen 5/8-Schluss und spätgotische Maßwerkfenster. Bei den Arbeiten 1932 wurde im Chor ein Teil eines Sarkophagdeckels aus dem 12. Jahrhundert entdeckt.

Das 1932 angebaute Langhaus wurde nach den Zielen des Bauhauses gestaltet. Der nüchterne Saal besitzt eine drei Seiten umlaufende Empore. Von Hans Adolf Bühler befinden sich zwei Wandgemälde in der Kirche. "Die Einführung der Reformation in Dossenheim" ist im Vorbau/Arkaden dargestellt. Vor "Die Versuchung Jesu" im Altarraum wurde 1973 wegen der "germanischen" Darstellung Jesu eine Holzwand gestellt. Diese Wand ist verputzt und es ziert sie ein schlichtes Holzkreuz.

Die Orgel wurde 2001 von Matz & Luge erbaut. Das Instrument hat 22 Register auf zwei Manualen und Pedal.

Orgel


(Text und Bilder zur Orgel von Matz & Luge)

Die Evang. Kirche in Dossenheim ist durch zwei Bauabschnitte geprägt. Ein älterer Kirchenbau aus dem Jahre 1480 und einer Erweiterung von 1931. War der ältere Kirchenbau noch durch die typische West-Ost-Längsausrichtung geprägt, so schwenkte der Anbau die Altarausrichtung von Ost nach Süd.

Die alte Orgelempore (Westempore) wurde in einem weiteren Umbau 1974 abgebrochen. Im Zuge dieser Baumaßnahmen wurde die Nordempore zu Gunsten eines Gemeindesaales in der Tiefe durch eine Trennwand verkürzt. Das Instrument der Firma Steinmeyer wurde dabei von der Westempore vor die Trennwand auf der Nordempore verlagert.

Die Orgel verfügte über drei Manuale und Pedal. Durch die geringe Höhe auf der Empore von nur 4,30 Metern verteilten sich die Teilwerke in die Breite.

Nachdem sich die Gemeinde entschlossen hatte, ein neues Instrument anzuschaffen, war die Suche nach einem geeigneten Standort vor der Prospektgestaltung die wichtigste Aufgabe.

Die besonderen Anforderungen an die Orgelbauer bestanden zum einen in der Lösung der Standortfrage sowie eine musikalische Antwort auf die Ansprüche der Gemeinde an die Orgel zu finden.

Beide Punkte sind eng miteinander verwoben und führten zu zahlreichen Varianten an unterschiedlichsten Standorten.

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Seitenansicht der neuen Orgel mit Schwellwerk


Unter Abwägung der vielen unterschiedlichen, zum Teil entgegengesetzten Nutzungsinteressen wurde der Standort auf der Nordempore festgelegt. Dabei wurde auch deutlich, dass das neue Instrument nicht mehr über den gleichen Registerumfang verfügen konnte wie die Vorgängerin.

Nicht nur aus Mangel an entsprechenden finanziellen Grundlagen wurde wesentlich kleiner disponiert, sondern vor allem durch eine geänderte Auffassung der Orgelbauer, Organisten und den geänderten Hörgewohnheiten und den daraus resultierenden veränderten Ansprüchen an den Orgelklang. Dieser starke und andauernde Prozess, der vor allem ausgelöst wurde durch die Orgelbewegung Anfang des letzten Jahrhunderts, detailliert zu erläutern, würde zu weit führen. Es sei jedoch soviel gesagt, dass der heutige Mensurations- und Intonationsstil dem einzelnen Register wesentlich mehr Sangeskraft und Charakter verleiht, so dass mit weniger Registern ungleich fülliger und differenzierter Orgelmusik erklingt.

Damit diese Klangkonzeption auch gut zum tragen kommt, war es besonders wichtig, dem Orgelklang auch den Raum zu verschaffen, den er zur optimalen Entfaltung benötigt.

Das bedeutete konkret: 3 m Höhe werden oberhalb der Windlade für das Pfeifenwerk benötigt, denn die längsten Pfeifen des Haupt- und Schwellwerkes messen ca. 2,60 m Länge ohne Pfeifenfuß.

Rechnet man noch das Wellenbrett und die Windlage hinzu (4 m Gesamthöhe), so stand man bereits kurz unter der Decke.

Daraus ergab sich die Notwendigkeit, die Orgel ohne den typischen Orgelfuß zu bauen, der normalerweise mindestens 2 Meter Höhe benötigt, um den Spieltisch und die Mechaniken aufzunehmen.

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Blick ins Hauptwerk der Orgel


Ein historisches Vorbild, um dieser räumlichen Zwangsjacke zu entfliehen, ist die Brüstungsorgel.

Dieses, in allen Orgellandschaften praktizierte Konzept, stellt ein Teilwerk, in diesem Falle das Hauptwerk, direkt in die Brüstung, gerade soweit vom Boden entfernt, dass das Wellenbrett und Windlade noch Platz finden. So erhält man den benötigten Raumbedarf, um das Pfeifenwerk in voller Länge aufstellen zu können.

Daraus resultiert jedoch, dass die anderen Teilwerke dahinter aufgestellt werden müssen.

Der Spieltisch steht "frei" zwischen den Teilwerken.

Der Prospekt zeigt sich in einer aus fünf Pfeifenfeldern bestehenden Gliederung. Die beiden großen Außenfelder beherbergen die Bässe des Hauptwerkes. Durch die Wahl zweier Busstürme bleibt auch für die großen Pfeifen genügend Platz für beste Klangentfaltung.

Hinter den Zwischenfeldern kommt der Diskant zur Aufstellung. Das mittlere Feld dient als Spange beider symmetrischen Seiten, welche im Orgelbau gewöhnlich mit C- und Cs-Seite bezeichnet werden.

Die Aufteilung in fünf Prospektfelder hat neben dem harmonischen (weil symmetrischen) Moment der Gestaltung auch einen akustischen Grund. Die starke wechselseitige Beeinflussung (Anziehung) von Tönen gleicher oder ähnlicher Frequenz (Interferenz) kann dadurch umgangen werden, in dem die Pfeifen nicht chromatisch aufgestellt werden (also im Intervall der kleinen Sekunde), sondern möglichst in größeren Intervallabständen.

Beim klassisch fünffeldrigen Prospekt stehen die Pfeifen in einer Terzaufstellung. Somit wird sowohl die Stimmhaltung als auch die Darstellung polyphoner Musik besonders gut unterstützt.

Die Ansicht wird durch die große Fläche der Zinnpfeifen dominiert. Deren Verlängerungen bestehen aus auf die Spitze gestellte, eichene Kuben, welche die Pfeifen optisch verlängern und gleichzeitig die Fassung bilden.

Die bewegte Linienführung sowohl der Horizontalen als auch in der Tiefenentwicklung (Faltung) lockern die Strenge der Architektur von 1931 auf und korrespondiert so mit dem alten Kirchenschiff.

Die Gehäuse sind aus massiver Eiche gefertigt, die in der Oberfläche nicht geschliffen sind.

Der dahinter stehende Schwellwerkskorpus mit seinen beweglichen Lamellentüren in der Front verbirgt das Pfeifenwerk des ll. Manuals und Pedals, Die beweglichen Jalousien lassen das Pfeifenwerk in verschiedenen Lautstärken erklingen.

Nach der Lösung der räumlichen Platzierung der Werke war die Frage nach der klanglichen Ausrichtung der Teilwerke die zweite wichtige Aufgabe.

Das Hauptwerk ist das klangliche Rückgrat der Orgel, wie der Name schon andeutet.

In der Ansicht sieht man die tiefsten 25 Pfeifen des Principal 8'.

Dieses Register bildet in den meisten Orgeln aller Regionen unter verschiedenen Namen (Montre 8',Praestant 8') das Fundament.

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Der Spieltisch der neuen Orgel


Der Klang ist kräftig, voll und vocal, die Aufgabe ist zu vergleichen mit der Tenorstimme eines Chores.

Dieser Klang wird im Inneren des Hauptwerkes in weiteren Registern mit höherliegendem Anfangston fortgesetzt, als da wären: Oktave 4', Quinte 2 2/3', Oktave 2' und eine Mixtur auf Basis 1 1/3'.

Diese Register zusammen bilden das Plenum des Hauptwerkes, also jenen Klang, den wir beim Erklingen als festlich, brillant empfinden.

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Tonventil der Hauptwerkslade


Diese Empfindung rührt vor allem aus der lückenlosen Bereitstellung des Obertonspektrums mit verstärktem Grundton im menschlichen Hörbereich.

Das Register Gambe 8', also ebenfalls in der Tenorlage, erhöht die höherliegenden Teiltöne bei verminderter Grundtonstärke. Dieses Klangbild wird allgemein als leise ,,streichend” beschrieben und imitiert im weitesten Sinne die alte Gambe.

Die Rohrflöte 8' bringt ihre besondere Bauart zu Gehör. Ein Deckel mit eingelötetem Röhrchen erzeugt einen charakteristischen nasalen Klang.

Mit der Trompete 8', einem sog. Zungenregister, steht ein viertes 8-füßiges Register mit stark schmetterndem Klang in Tenorlage auf dem ersten Manual zur Verfügung.

Eine Hohlflöte 4' und ein dreifacher Kornett vervollständigen die Klangfarben des Hauptwerkes.

Das Schwellwerk eröffnet mit seinen streichenden und weiten Flötenstimmen auch die Darstellung romantischer und moderner Literatur.

Der Streicherchor wird durch Suavial 8', Bifara 8' und Fugara 4' gebildet, wobei Bifara 8' in Kombination mit anderen Registern einen stark schwebenden Effekt auslöst.

Eine weite überblasende Traversflöte 8' besitzt eine besondere Tragkraft und Intensität. Sie wird in der 4'-Lage durch die Rohrflöte 4' ergänzt.

Ein in Einzelregister aufgeteilter Sesquialter, bestehend aus Nasard und Terz sorgen für besondere Klangeinfärbungen.

Mit der Oboe 8' steht eine weitere solistische, lyrische Zunge in der 8'-Lage zur Verfügung, welche auch alternierend zur Oboe Verwendung findet.

Das Pedalwerk verfügt über zwei eigene Register. Subbass 16' und Posaune 16' enthalten die tiefsten Töne der Orgel.

Vier Register aus dem Schwellwerk stehen auch dem Pedal separat über Wechselschleifen zur Verfügung.

Die Spielart der Tontraktur ist mechanisch. Der Tastendruck löst eine mechanische Bewegung aus, die über Winkel und Abstrakten bis zum Ventil in die Schleif lade übertragen wird.

Der Spieltisch selbst ist aus massiver Eiche, die Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten sind aus Ebenholz.

Die Register werden elektrisch über Tastschalter betätigt. Die Schleifenbewegung wird durch einen Doppelspulenmagnet erzeugt. Dadurch können bestimmte Registermischungen abgespeichert und jederzeit schnell wieder abgerufen werden (Setzer).

Für diese Aufgabe kam eine SPS-Steuerung zum Einsatz, die den aktuellen Stand der Technik unter industriellen Bedingungen repräsentiert.


Disposition:
  
HauptwerkSchwellwerk
1. Prinzipal8'11. Suavial8' *
2. Gambe8'12. Traversflöte8' *
3. Rohrflöte8'13. Bifara8'
4. Oktave4'14. Bordun8'
5. Hohlflöte4'15. Fugara4'
6. Quinte2 2/3'16. Rohrflöte4' *
7. Oktave2'17. Nasard2 2/3'
8. Mixtur4f.'18. Piccolo2'
9. Komplett3f.'19. Terz1 3/5'
10. Trompete8'20. Oboe8' *
  
Pedal
21. Subbass16'22. Posaune16'

Spielhilfen ll/l              l/P                   ll/P

Sequenzer auf/ab 9 direkt abrufbare Sequenztaster unter 1. Manual.

Setzeranlage mit 500 Sequenzen und fünf sperrbare Bereiche.

Die Register mit * sind separat als Wechselschleife im Pedal spielbar.